Bier. Bier? BIER!
Was ist es?
Man kann das Bier aus drei verschieden Blickwinkeln betrachten: als Getränk, Kultgeschichte oder als einen Wirtschaftsfaktor.
Das Getränk Bier
Durch die Verordnung der Getränke wird Bier wie folgt definiert:
Art. 63 Definitionen
1 Bier ist ein alkoholisches, kohlensäurehaltiges Getränk aus Wasser, gemälztem oder nicht gemälztem Getreide, Hefe und Hopfen, das durch alkoholische Gärung gewonnen wird. Es können auch weitere Zutaten verwendet werden.
2 Der Begriff «Hopfen» umfasst auch die Hopfenextrakte.
Definiert man das Bier vereinfacht ist es ein Getränk, das alkoholisch sowie alkoholfrei sein kann, dass bei einer Feier, beim Essen sowie nach dem Überstehen eines anstrengenden Tages getrunken wird.
Das Bier als Kultgeschichte
Schaut man das Bier kulturgeschichtlich an, so wird es als das flüssige Gold angesehen. Das Bier hat die ganze Menschheit in der Weltgeschichte begleitet. Auf der Weltkugel wurde das Wissen über die Vergärung von Zucker in Alkohol entsteht, wurde unabhängig voneinander entwickelt.
Die Brauerei als einen Wirtschaftsfaktor
In Deutschland allein existieren etwa 1.400 Brauereien, die rund 6.000 verschiedene Biersorten produzieren. Dabei werden die Heimbrauer nicht mitgezählt. Jeder Deutsche konsumiert jährlich im Durchschnitt 102 Liter Bier.
Die deutsche Brauwirtschaft erzielt insgesamt etwa 8 Milliarden Euro Umsatz. Das Bier stellt somit einen Faktor der deutschen Wirtschaft dar, ist ein Konsumgut und bietet tausende von Arbeitsplätzen.
Geschichte
Bier hat eine lange Geschichte und viele Entwicklungen davon haben ihren Ursprung in uralten Kulturen.
| Jahr | Meilenstein |
| ca. 4.000 v. Chr. | Die Sumerer im südlichen Mesopotamien (heutiger Irak) gelten als die ersten Bierbrauer überhaupt. |
| ca. 1800 v. Chr. | Bedeutende Frauen prägen die frühe Bierkultur in Mesopotamien. Die Göttin Ninkasi steht für weibliche Braukunst. Es gibt bereits über 12 Biersorten. |
| ca. 1700 v. Chr. | In der Babylonischen Zeit sind ungefähr 20 verschiedene Biere dokumentiert. |
| 766 n. Chr. | Die erste bekannte Bierurkunde der Welt und Lieferung von Bier ins Kloster St. Gallen. |
| ab ca. 800 n. Chr. (Mittelalter) | Klöster treiben die Braukunst voran. Das auch, weil Bier als Nahrung während der Fastenzeit diente. |
| 1040 n. Chr. | Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan wird gegründet und gilt heute als älteste noch bestehende Brauerei der Welt. |
| 23. April 1516 | Bayerisches Reinheitsgebot von Herzog Wilhelm IV. erlassen: Bier darf nur aus Gerste, Hopfen und Wasser bestehen. Hefe kommt erst später hinzu. |
| um 1860 | Louis Pasteur entdeckt nun die Rolle der Hefe beim Brauprozess. |
| Ab 1870 | Industrialisierung und technische Innovationen führen zu Massenproduktion und längerer Haltbarkeit von Bier. |
| 1980er Jahre | Die Craft-Beer-Bewegung startet weltweit und bringt eine neue Vielfalt an Biersorten hervor. |
| Heute | Die Bierkultur ist so vielfältig und lebendig wie noch nie zuvor! |
Wie wird’s hergestellt?
Zuerst einmal zu den vier Zutaten. Das wären Wasser, das 90% des Biers ausmacht, Malz, entweder aus Gerste oder Weizen, Hopfen, eine Kletterpflanze, die dem Bier den herben Geschmack verleiht und Hefe, mit deren Hilfe das Bier zu gären beginnt.
Schritte der Herstellung:
- Mälzen und Darren: die Herstellung von Malz beim Mälzer (Gerste oder Weizen wird zum Keimen gebracht und dann getrocknet (Darren). Lieferung des Malzes an Brauerei.
- Schroten und Maischen: Malz wird gemahlen, geschrotet und zusammen mit Wasser in den Maischbottich, der beim Brauen dann erhitzt wird.
- Läutern: Trennen der festen und flüssigen Bestandteile der Maische im Läuterbottich. Das Flüssige heisst Würze und wird fürs Bier weiterverwendet.
- Würzekochen: Braumeister füllt die Würze in die Würzepfanne, gibt Hopfen hinzu und lässt beides kochen.
- Würzeklärung: Von der Würzepfanne gelangt Sud in den Whirlpool. Der entfernt geronnenes Eiweiß, Reste von Hopfen und andere Schwebstoffe aus der Würze. Nun heisst sie Ausschlagwürze.
- Gärung: Nun kommt Hefe dazu. In der Flüssigkeit wandelt Hefe durch alkoholische Gärung den in der Würze gelösten Malzzucker in Alkohol (Ethanol) und Kohlendioxid (Kohlensäure im Getränk) um. Die Gärung dauert eine Woche. Nach getaner Arbeit der Mikroorganismen (Hefe) werden sie durch Filtration entfernt.
- Lagerung: nun braucht das Jungbier Ruhe. In einem Lagertank kann es bei einer Temperatur um 0 °C reifen und seinen Geschmack voll ausbilden. Diese Nachgärung dauert ca. vier bis sechs Wochen.
- Fitration und Abfüllen: Vor dem Abfüllen in Flaschen oder Fässer läuft das Bier ein letztes Mal durch einen Filter. Dann geht es zu einem Getränkespezialisten zum Verkauf.
Arten
Es existieren weltweit ungefähr 150 verschiedene Biersorten. Hier stehen einige Biersorten, die in Österreich bekannt und von Bedeutung sind.
Ale
„Ale“ ist in Grossbritannien ein allgemeiner Begriff für Bier, obwohl er ganz korrekt nur obergärige Biere umfasst. Auch ein klassisches Weissbier ist daher eigentlich ein Ale. Sucht man in Österreich ein als solches bezeichnetes Ale, wird man vor allem bei Craft-Bieren von kleinen Brauereien fündig. Ein Pale Ale ist hell, ein Red Ale rötlich und ein Golden Ale hat eine goldene Farbe. Das India Pale Ale, abgekürzt IPA, wurde für den Transport von England nach Indien mit einer langen Haltbarkeit versehen, diese erreichte man durch mehr Hopfen. Deutsche Ales sind Kölsch, Alt und Weissbier.
Alkoholfreies Bier
Bier, das weniger als 0,5 Volumsprozent Alkohol enthält, kann als „alkoholfreies Bier“ bezeichnet werden. Der tatsächliche Alkoholgehalt hängt von der Methode ab, mit der das Bier alkoholfrei gemacht wird.
Bockbier
Bockbier zeichnet sich durch einen hohen Alkoholgehalt aus, der mindestens 6,4Volumenprozent beträgt. Es kann entweder ober- oder untergärig sein. Der Name leitet sich von der deutschen Stadt Einbeck ab. Eines Tages erhielt der Braumeister vor Ort den Auftrag, ein Starkbier für das Müncher Hofbräuhaus zu kreieren. Der Ausdruck „Bock“ entstand. Es hebt sich durch einen höheren Alkoholgehalt und eine längere Haltbarkeit ab. Es existiert sowohl helles als auch dunkles Bockbier, sowie eine Version mit Weizen. Ein Doppelbock ist sehr kräftig, während ein Festbock zu Weihnachten und Ostern konsumiert wird.
Glutenfreies Bier
Glutenfreies Bier ist vor allem für Zöliakie-Patienten erhältlich. Das heisst, der Glutenanteil darf nicht mehr als 20 Milligramm pro Kilogramm betragen. Braugetreide, wie etwa Gerste, hat von Natur aus Gluten. Es wird entfernt, indem technische Enzyme verwendet werden. Das Produkt muss den Hinweis „enthält technische Enzyme“ deutlich sichtbar tragen.
Eine andere Möglichkeit ist der Einsatz von glutenfreien Getreidearten wie Hirse. Es ist möglich, glutenhaltige Gerste mit anderen glutenfreien Getreidearten zu kombinieren, um auf technische Enzyme zu verzichten und dennoch den gesetzlichen Grenzwert von 20 Milligramm Gluten pro Kilogramm nicht zu überschreiten. Bei nicht-glutenfreiem Bier muss auf dem Etikett der Hinweis „Enthält Gluten“ gemäss der Allergenverordnung vermerkt sein; alternativ kann „Gerste“ in der Zutatenliste besonders hervorgehoben werden.
Leichtbier
Der Alkoholgehalt von Leichtbier beträgt höchstens 3,7 Volumsprozent. Wie alkoholfreies Bier kann es aus unterschiedlichen Getreidearten und Brautechniken hergestellt werden.
Schankbier
Der Alkoholgehalt von Schankbier ist niedriger als der von Vollbier. Es enthält etwa 3,5 bis 4,5 Volumenprozent Alkohol.
Porter (Stout)
Das Porter ist ein obergäriges Bier mit dunkler Farbe, das in der Regel tiefschwarz ist. Die Malzröstung ist intensiver, weshalb die Farbe dunkel ist. Der Name stammt vom englischen Wort für Hafen, „Port“, ab. Britische Hafenarbeiter der Vergangenheit bevorzugten Biere mit hohem Alkoholgehalt. Stouts, die den Namen „Stout-Porter“ tragen, sind starke Porter. Es handelt sich nicht um den Alkoholgehalt, sondern um Geschmack und Farbe. Das Malz bringt Aromen von Schokolade und Kaffee hervor.
Radler
Laut der Legende hielten sich zahlreiche Radfahrer in einem Ausflugsgasthof nahe München auf. An einem Tag ging das Bier langsam zu Ende. Der Wirt hatte die Idee, eine Mischung aus Bier und Limonade herzustellen. Die Athleten fanden das Getränk schmackhaft, und so entstand der Radler. Der Bieranteil im Radler muss zwischen 40 und 60 Prozent liegen. Gewöhnlich ist das Mischverhältnis 50:50 oder 60 Prozent Limonade.
Roggenbier
Bier wurde häufig aus Roggenmalz gebraut, bevor Gerste die Hauptrolle beim Bierbrauen übernahm. Wenn der Roggenanteil im zum Mälzen genutzten Korn über 50 % liegt, wird dies als Roggenbier bezeichnet. Roggenmalz ist im Brauprozess eher schwierig zu verarbeiten. Ein leichter Brotgeschmack ist typisch.
Weizenbier/Weissbier
Wenn der Weizenanteil im zum Mälzen genutzten Getreide über 50 % liegt, wird dies als Weizen- oder Weissbier bezeichnet. Der echte Weizenanteil liegt normalerweise über 75 Prozent und wird aus brautechnischen Gründen mit Gerste ergänzt. Normalerweise handelt es sich bei Weizenbier um obergäriges Bier, jedoch gibt es Ausnahmen. Bei der Verwendung von spezieller Weizenbier-Hefe entstehen charakteristische Aromen wie das von Banane oder Nelken. Der Name „Weissbier“ stammt nicht von der Farbe, sondern vom Weizen ab. Die Farben variieren von hell bis dunkel. Bei einem Hefeweizen handelt es sich um ein unfiltriertes Weizenbier. Alle Arten von Weizenbier sind möglich, von alkoholfreiem über leichtes bis hin zu Weizenbock, unabhängig vom Alkoholgehalt. Da sie weniger gehopft sind, haben Weizenbiere eine höhere Kohlensäuremenge, aber einen geringeren Bittergeschmack.
Vollbier
Der Ausdruck deutet an, dass alle wichtigen Bierinhaltsstoffe vorhanden sind – das Bier ist „voll“.
Lager
„Lager“ bezeichnet eine Kategorie von untergärigen Bieren. Für die Herstellung sind kühle Temperaturen erforderlich. In der Zeit vor der künstlichen Kühlung war es nur während der kalten Jahreszeit möglich, Lagerbiere zu produzieren. Der Name kommt daher, dass bei untergärigen Bieren die Hefe auf den Boden sinkt und dort ein „Lager“ bildet. Die bedeutendsten Untergruppen sind Märzen und Pils.
Märzen
„Märzen“ bezieht sich auch auf die kalte Jahreszeit – bis in den März hinein war die Temperatur noch ausreichend niedrig, um Bier zu brauen. In Österreich ist Märzen ein hellgelbes bis goldenes Bier mit einem Alkoholgehalt von 4,8 bis 5 Volumenprozent. Damit zählt es zu den Vollbieren.
Pils
Seinen Namen verdankt das Pils der tschechischen Stadt Pilsen. Im 19. Jahrhundert wurde es dort entwickelt. Das Pils, das zu den Lager-Bieren zählt, weist ähnliche Eigenschaften wie das Märzen auf. Ein Pils ist dadurch gekennzeichnet, dass es stärker gehopft und somit bitterer ist. Es hat oft einen buttrigen Geschmack, der während der Gärung entsteht.
Zwickl
Ein Zwickl ist an seiner Trübung zu erkennen. Es wird nicht gefiltert und hat eine kürzere Haltbarkeit. Das Mindesthaltbarkeitsdatum liegt in der Regel zwei Monate nach der Produktion. Die Trübung wird durch Hefen, Gerbstoffe und unlösliche Eiweissstoffe verursacht. Der Begriff „Zwickl“ leitet sich vom Probehahn am Biertank, dem „Zwickel“, ab. Dort wurde das Zwickl früher direkt abgezapft.

